Glühwein und die Pokalrunde

Gestern bin ich mit U. auf den Düsseldorfer Weihnachtsmarkt. Gegangen. Und Glühwein getrunken haben wir. Und zwar nur am Schwarzwaldhäusle, da wo es den selbstgemachten weißen Glühwein vom badischen Winzer gibt. Und wenn ich Lust und Zeit hätte, wieder einen “Schöne Plätze in Düsseldorf”-Artikel zu schreiben, so wäre diesmal der Nikolausmarkt auf dem Rathausplatz dran, welcher eigentlich “Marktplatz” heißt, obwohl der Markt auf dem “Karlplatz” stattfindet. Ein paar schöne Handwerksbuden sind da, ein Schmied, ein Maler, Kunst aus dem Erzgebirge, natürlich viele Ess- und Glühweinbuden, eine Maronenfrau und ein großen Karussell. Am schönsten aber ist es, wenn das Tageslicht schwindet und rundum die Laternen und das weihnachtlich geschmückte alte Rathaus aufleuchten. Dann glitzert sich auch der große Weihnachtsbaum empor, und die Musik des Karussells wird lauter und schneller und immer schneller … Wenn dann ein eiskalter Wind vom Rhein her durch die Zollstraße auf den Platz weht und man mit seinem heißen Glühwein den Blick schweifen lässt, dann ist man überzeugt, sich am schönsten Fleckchen Erde zu befinden.

Gestern war dieses schöne Fleckchen allerdings mit reichlich Fußballgejohle durchsetzt. Was ich nicht bedacht hatte, war das DFB-Pokalspiel Düsseldorf-Dortmund. Vielleicht hätte ich in meinem letzten Brief an den Weihnachtsmann nicht so wunschlos glücklich daherkommen sollen, dann wäre so ein verdienter Sieg den Fortunen vielleicht zum Weihnachtsgeschenk geworden.

Aber schön, hat nicht sollen sein, hat uns den Abend auch nicht verhauen. Im Gegensatz zu den letzten Weihnachtsmarktbesuchen kann ich mich heute nämlich noch an alles von gestern erinnern. Alles in mir ist noch an Ort und Stelle, wo es hingehört. Einzig und allein das Frühstück musste heute ausfallen, denn dass die Blutwurst, die ich mir gestern noch einverleiben musste, sich mittags immer noch bemerkbar macht, bedeutet nichts gesundes. Ob meines winterlichen Ernährungsverhaltens muss ich in den letzten Tagen öfters an meine Leber denken, und da fällt mir diese wunderschöne Textpassage aus Hermann Kochs “Sommerhaus mit Swimmingpool” ein:

Eine überlastete Leber ächzt und fleht. Sie fleht um einen einzigen Ruhetag. Einen Tag, an dem sie den schlimmsten Abfall entsorgen kann. Denn gerade ist sie immer mit der Arbeit im Rückstand. Die überlastete Leber ist wie die Küche eines Restaurants, das niemals schließt. Der Abwasch türmt sich. Die Spülmaschinen laufen auf Hochtouren. Doch die schmutzigen Teller und angebrannten Töpfe stapeln sich immer höher. Die überlastete Leber setzt ihre ganze Hoffnung auf diesen einen Ruhetag, der nie kommt.

Ich habe keine Ahnung was mich da geritten hat, nachts noch Blutwurst zu essen. Muss der Schlag auf den Kopf gewesen sein, den mir der Strommast auf dem Nachhauseweg verpasst hat, als ich ins SMS-Schreiben versunken war. Daher vielleicht auch der Kopfschmerz, der mir aber den heutigen Tag nicht verderben wird.

Alles in allem ein wunderbares Fazit nach einem rundum gelungenen Weihnachtsmarktbesuch.

P.S.: Ich sehne mich jetzt nach frischem Obst. Da denke ich an meine Weinträubchen im Schrank. Die sind aber aus Peru, da hat sich das mit der Frische praktisch schon erledigt…

Posted on 21.12.2011, in Düsseldorf and tagged , , , , , . Bookmark the permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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